Aikido-Wege

besser miteinander auskommen

Angreifen, um zu helfen

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Vor ein paar Wochen habe ich mir das Buch Aikido – Die friedfertige Kampfkunst zur Persönlichkeitsentfaltung von Dirk Kropp und Christina Barandun gekauft. Ich war auf der Suche nach neuer Lektüre und wollte wissen, was sich auf dem Aikido-Büchermarkt so tut. Das Buch sticht schon durch seine elegante Titelseiten-Gestaltung hervor. Es folgen frische Analysen mit einer übersichtlichen, spannend strukturierten und nutzerfreundlichen Gliederung. Besonders gefallen hat mir das Kapitel Partnerin und Partner sein. Hier wird die Rolle des Angriffs im Aikido auf überzeugende Weise umgedeutet:

Es mag paradox klingen, in der angreifenden Rolle Friedfertigkeit üben zu können. Doch der scheinbare Widerspruch hebt sich leicht wieder auf, wenn man sich bewusst macht, dass im Aikido die angreifende Rolle nicht dazu dient, angreifen zu lernen, sondern helfen zu üben. (S. 84)

Seit Jahren fällt mir auf, wie wenig im Unterricht die Rolle der Angreifenden beleuchtet wird. Man soll halt gut angreifen, damit die Techniken funktionieren. So ist die Auskunft überwiegend. Dran bleiben, Energie schicken usw. Es macht jedoch einen Unterschied, ob ich beim Angreifen meine Aufgabe als Helfende verstehe, damit die Partnerin oder der Partner gut üben kann oder ob ich nur mitmache, schlimmstenfalls erdulde oder nur auf meine eigenen Bewegungen achte. Vor allem für Fortgeschrittene ist dieser Blickwinkel von Interesse. Wer kennt nicht die Versuchung, abzuschalten und routiniert das Erlernte abzuspulen – sowohl beim Angreifen als auch beim Verteidigen?
Ich meine, beide sollten Kontakt finden und bewahren, um gemeinsam eine Auflösung der „Konfrontation“ zu finden und zu üben. Im besten Fall können dadurch sogar neue „Techniken“ entstehen.

Was Christina Barandun und Dirk Kropp vorschlagen, geht darüber hinaus. Der Angriff wird durch die Umdeutung entschärft mit dem Ergebnis, dass er in seiner erweiterten Funktion als helfende Aktivität an Brisanz gewinnt. Aus den Scheingefechten werden elementare Begegnungen.

Dank an Autorin und Autor.

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