Aikido-Wege

besser miteinander auskommen

Was zieh ich bloß an?

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Außenstehende sind immer wieder von dem schwarzen Hosenrock beeindruckt, den fortgeschrittene (zumeist Dan-Graduierte) Aikidoka tragen. Er ist elegant geschnitten und fächert sich bei Drehungen und beim Rollen wunderschön auf. Ursprünglich war der (oder das) Hakama Teil traditioneller japanischer Männerkleidung. Beim Aikido wurde er von Anfang an von Frauen und Männern gleichermaßen getragen.

Ich kenne verschiedene Begründungen, warum und vor allem ab welchem Zeitpunkt Aikidoka damit üben sollen. Über den jeweiligen Wahrheitsgehalt lässt sich spekulieren: Im Unterricht von Meister Ueshiba sei der Hakama von der ersten Stunde an zu tragen gewesen. Nach dem zweiten Weltkrieg sei aufgrund der allgemeinen Armut diese Etikette gelockert worden, da nicht alle dieses wertvolle Kleidungsstück besaßen oder sich leisten konnten. In Europa und Amerika sei das Tragen des Hakama sehr bald mit der Prüfungsordnung verknüpft worden. Er sei als Auszeichnung nach Verleihung des ersten Dans zu tragen und eine Verpflichtung zu vorbildlichem Verhalten. So bin ich in den von mir besuchten Aikidoschulen geprägt worden. Irgendwann habe ich erfahren, dass man in Frankreich den Hakama schon nach einer bestimmten Kyu-Prüfung  tragen „durfte“. In Deutschland ist das inzwischen auch verbreitet.

Ich hatte ein überraschendes Erlebnis vor ein paar Jahren in diesem Zusammenhang: Ein Danträger trainierte plötzlich nicht mehr mit Hakama  und hatte seinen schwarzen Gürtel gegen den weißen zurückgetauscht. Das hat mir imponiert. Leider habe ich ihn damals nicht nach seinen Gründen gefragt.

Eine anregende Begründung, warum alle — auch die Lehrenden — auf den Hakama verzichten sollten verdanke ich Dirk Kropp und Christina Barandun aus ihrem Buch Aikido – Die friedfertige Kampfkunst zur Persönlichkeitsentfaltung:

Der Hakama wirke sich spaltend auf die Gemeinschaft der Übenden aus. Anfängerinnen und Anfänger ließen sich beeindrucken und einschüchtern von Hakama-Tragenden. Diese wiederum setzten sich unter den störenden Druck, ihre Fortgeschrittenheit angemessen vorzuführen. Schlimmstenfalls fühlten sich die Hakama-Tragenden den anderen überlegen und kultivierten eine überflüssige Eitelkeit. Das Hakama wird zu einem Statussymbol. Ist die Atmosphäre vom konkurrierenden Hierarchiedenken durchdrungen, das in der geteilten Kleidung deutlich sichtbar wird, geht die Idee des gemeinsamen geschützten Raumes verloren. (S. 214)

Autor und Autorin schlagen an dieser Stelle vor, vom Vorbild des Aikido-Gründers abzuweichen. Weiße Jacke, weiße Hose, weißer Gürtel – stets und für alle.

Lernt man, andere Menschen sozusagen ungeschminkt zu sehen, wird es später auch im Alltag leichter, die Menschen hinter den äußeren Fassaden entdecken zu können (S. 216)

Noch kann ich es mir nicht vorstellen, wieder ganz in weiß. Was werden die anderen dazu sagen? Ist dieser Schritt nicht auch auf eine gewisse Art eitel, wenn der Rest meiner kleinen Aikidowelt schwarz-weiß bleibt?

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