Aikido-Wege

besser miteinander auskommen

Wie würde es sich anfühlen, wenn…?

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Wir sind es gewohnt, „du sollst“ zu sagen, damit etwas geschieht oder besser wird und wir unsere Ziele erreichen. Wir sagen es zu anderen und zu uns selbst.
Wie im Leben, so auch beim Aikido auf der Matte. Hinter dem Sollen steht die Vorstellung und die Erwartung, dass unser Körper das lernen wird, was unser Verstand ihm vorgibt. Der Verstand als Lehrer, der Körper als Schüler.
Überraschenderweise verspüren wir aber oft genug Widerstände, Blockaden, Widerwille oder Lähmung — unser Körper scheint sich aufzulehnen, stellt sich dumm und verweigert die Mitarbeit. Dann sind wir unzufrieden und es dauert uns zu lange. Das Sollen wird noch dringender und die Mühen verstärken sich, vertrackterweise wachsen auch die körperlichen Widerstände. Was ist da bloß los?

Wendy Palmer, eine Aikido-Lehrerin aus California, USA, untersucht seit über 30 Jahren in ihrem Unterricht die Wechselwirkungen von Körper und Verstand. Sie möchte ihre Erkenntnisse dabei nutzbar machen sowohl für die Kampfkunst als auch für den Alltag, das Berufsleben und die Beziehungen. In ihrem Buch The Intuitive Body – Discovering the Wisdom of Conscious Embodiment and Aikido schlägt sie vor, dass wir uns selbst Fragen statt Forderungen stellen und das Verhältnis von Verstand und Körper umkehren. Der Körper wird zum Lehrenden und der Verstand zum Studierenden. Man stelle sich also ein Ziel und die Fähigkeiten vor, die es braucht, um dieses Ziel zu erreichen und frage sich: Wie würde es sich anfühlen, wenn…?

Beispielsweise wir möchten geschmeidiger werden oder weniger Kraft einsetzen oder weniger Anspannung beim Üben empfinden. Im Vorempfinden dieser Qualitäten kann uns der Körper helfen, auf diese Frage zu antworten. Der Clou dabei ist, wir können bereits jetzt das Empfinden genießen, ohne das eigentliche Ziel — meistens das Beherrschen einer Technik — schon erreicht zu haben. Der Verstand dominiert nicht mehr, sondern ist ins Wechselspiel von Frage und Antwort eingebunden.

Was wäre wenn? Wenn wir  jetzt schon genießen könnten, dass wir später einmal die Techniken in der gewünschten Weise ausführen werden.

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