Aikido-Wege

besser miteinander auskommen

Just another wall in the brick

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Welche Wünsche und Erwartungen verbinden Aikido-Lehrende mit ihrem Unterricht? Besteht guter Unterricht darin, dass alle nachmachen können, was ihnen vorgemacht wird? Und wenn ja, mit welchen Methoden und Ansprachen geschieht das?

Es stört mich, wenn Schüler ermahnt werden, (richtig) hinzuschauen, (richtig) hinzuhören, (richtig) nachzumachen. Wenn sich also immer wieder das Konzept von richtig und falsch einschleicht — und ich empfinde diese Ermahnungen herablassend. Oder wenn gesagt wird, dass man später einmal experimentieren darf, aber jetzt soll diese Bewegung und Technik so und nicht anders nachvollzogen werden. Diese Logik hat mich schon immer befremdet und in meinem eigenen Unterricht verspürte ich Unbehagen, wenn ich darauf zurückgriff.

Warum nicht damit spielen, was man glaubt, gesehen zu haben? Denn es ist ein Trugschluss, alle würden das Gleiche sehen und es läge nur an der Konzentration und Aufmerksamkeit, etwas so nachzuvollziehen, wie es jemand anderes gezeigt hat. Unsere Körper sind keine neutralen Gefäße, in die beliebig viel hinein getan und je nach Situation wieder herausgenommen wird. Unsere Lebenserfahrungen haben vielfältige Eindrücke hinterlassen und unseren Charakter geformt. Unsere Gefühle, Bedürfnisse und Ausdrucksweisen sind damit verknüpft. Jede neue Erfahrung und Wahrnehmung trifft auf Vorhandenes und wird auf eine besondere Weise integriert. Es kann vorkommen, dass wir von unseren eigenen körperlichen Reaktionen überrascht werden. Was der Verstand auf eine bestimmte Weise analysiert, muss nicht körperlich auf die gleiche Weise interpretiert werden.

Ich möchte heute in meinem Unterricht dazu ermuntern, Unterschiede zuzulassen, um sich selbst besser kennen zu lernen. Der Wunsch zu lernen sollte verbunden sein mit Neugier und Respekt für die eigenen Möglichkeiten. Nichts an meinen Bewegungen ist falsch oder richtig. Verbessern möchte ich das, womit ich mich unwohl fühle — oder auch die anderen. Wir agieren ja im Austausch miteinander, deshalb ist das Feedback meiner Partnerin oder meines Partners so wichtig. Wie fühlen die sich im Kontakt mit mir? Was ist für beide angenehm und wo hakt es noch?

Wie oft höre ich die Frage: Ist das richtig so? Oder die resignierte Feststellung: Das habe ich falsch gemacht. Nun, ich habe es anders gemacht und es fühlt sich unbefriedigend an. Ich empfehle daher: Weitersuchen und Unterstützung annehmen, ohne sich dabei zu bewerten.

Lehrende sind Vorbilder. Nicht nur was Unterrichtsinhalte betrifft, sondern auch die Art, wie sie das vermitteln. Mir gefällt es, wenn sie übereinstimmen in ihrer Persönlichkeit mit dem was sie unterrichten — zum Beispiel Aikido, für mich ein Weg zu Harmonie und Respekt füreinander. An ihnen orientiere ich mich gerne.

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