Aikido-Wege

besser miteinander auskommen

Ziehen oder schieben oder was?

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Wer wird schon gerne unfreiwillig gezogen? Man sieht es immer wieder: Kinder, die rumtrödeln oder nicht mehr weiterlaufen wollen und von den genervten Eltern am Ärmchen weiter gezogen werden. Oder ausgiebig an einer Stelle schnüffelnde Hunde, deren ungeduldige Besitzer sie mit der Leine weiter zerren. Man schmunzelt vielleicht, möchte aber nicht gerne in ihrer Haut stecken, weder ziehend noch gezogen.

Auf der Matte im Dojo geht es manchmal nicht anders zu. Wie kriegt man es hin, dass sich der Partner weiter bewegt, ohne stehen zu bleiben und auf die Verteidigung zu warten? Ohne zu ziehen oder zu schieben? Meine Lehrerin Clarissa nennt es „schicken“.

Stellt euch einen typischen Angriff vor, zum Beispiel shomen uchi, ein Schlag von oben auf den Kopf — abgeleitet aus dem Schwertkampf. Geübt werden soll als Verteidigungstechnik tenchi nage. Der Schlag ist ausgeführt und die Übungspartnerin ausgewichen — dabei hat sie sich gedreht und steht nun neben mir. Wenn ich jetzt als Angreifer stehen bleibe, statt mich ihr wieder zuzuwenden, kommen wir beide ins Stocken. Wenn sie mich aber am Arm herum zieht, damit ich mich drehe, käme mir das unangenehm vor. Das unangenehme Gefühl weckt meinen Widerstand und entspricht so gar nicht meiner Idee vom friedlichen Aikido.

Wie also „schicken“ statt ziehen? Werde ich „geschickt“, kriege ich einen Impuls mich nach vorne zu bewegen, quasi als Einladung. Das fühlt sich schon besser an. Und wie kriegt sie das hin? Sie bewegt sich und meinen Arm zunächst in unsere gemeinsame Blickrichtung vorwärts und danach im Halbkreis zu ihr hin. Von außen betrachtet, ist der Unterschied gar nicht so leicht zu erkennen. Er ist jedoch zu spüren. Das unmittelbare Ziel ist es, dass wir uns beide wieder bewegen. Nichts anderes. Wende ich mich dann ihr wieder zu, kann sie mich aus der Balance bringen, in diesem Beispiel durch tenchi nage

Dieses „Schicken“ ist eine angenehme Hilfestellung, um ins Stocken geratene Übungen für die Partner zu beleben. Häufig haben Anfänger beim Angreifen schnell das Gefühl, nicht mehr weiter zu wissen. Hier bietet sich eine elegante Lösung, sie beim Lernen und in Bewegung bleiben zu unterstützen. Wie dieses Konzept für beharrliche Haustiere umzusetzen ist, wäre noch zu testen. Ich bin gespannt auf Berichte…

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