Aikido-Wege

besser miteinander auskommen

Think twice

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In manchen Situationen bekommt man zu hören, dass fühlen jetzt angemessener sei als zu denken. Mehr in sich hinein zu spüren und weniger den Verstand zu gebrauchen. Eine Zeitlang hatte ich das akzeptiert, bis ich festgestellt habe, dass ich sehr wohl meinen Verstand brauche zum Fühlen und umgekehrt.

Beispiel Aikido: Wir beschäftigen uns oft mit technischen Fragen und versuchen zu verstehen, wie Hebel und Würfe funktionieren und was Arme und Beine dabei tun sollen. Was mache ich, wenn ich das Gleichgewicht verliere? Wie kriege ich eine gute Rolle hin? Der Kopf kommt nicht zur Ruhe. Ich finde das legitim, denn wir möchten uns ja besser bewegen lernen. Manchmal fühlt sich mein Körper dabei fremd an und reagiert widersprüchlich und scheinbar unbeholfen. Das sind Situationen, in denen ich nicht unterscheiden könnte, ob hier nur der Verstand oder nur der Körper das Geschehen bewertet. Beide sind gleichermaßen involviert. Vielleicht passiert folgendes — Hirn an Arm: Bist du verkrampft oder locker? Arm an Hirn: Eher verkrampft! Hirn zurück: Versuch dich zu entspannen. Arm an Hirn: Gar nicht so einfach…

Vielleicht nimmt der Verstand auch nicht mehr wahr, wie sich einzelne Körperteile in Bewegung anfühlen und befasst sich lieber mit seinen Zielvorstellungen. Es gibt ein erhellendes kurzes Video dazu von George Leonard (Thinking allowed) — ein inzwischen verstorbener amerikanischer Aikidio-Lehrer und Therapeut — in welchem er mehrere Reaktionen auf einen Angriff simuliert. Eine davon ist: „I don’t feel anything!“ Ich fühle nichts. Der Verstand weigert sich, Empfindungen zur Kenntnis zu nehmen und signalisiert, alles sei noch in Ordnung. Ein Trugschluss und vielleicht eine Schutzbehauptung. Womöglich ist es besser „rational“ statt „emotional“ zu agieren. Also lernt man Gefühle zu ignorieren. Vielleicht wollen sich Menschen mit dieser Strategie auch vor belastenden Erinnerungen an Erlebnisse aus ihrer Kindheit schützen.

Nützlich finde ich vielmehr die Vorstellung, dass Gefühle und Verstand sich wechselseitig beeinflussen. Ich erlebe es so: Es gibt ständig einen Austausch von Informationen zwischen dem Hirn und anderen Körperteilen und mein Verstand versucht, Entscheidungen zu treffen. Loslassen oder festhalten. Allerdings kommt es vor, dass ich mir nicht bewusst mache, was ich gerade fühle. Und wenn ich nicht weiß, was ich fühle, kriegt mein Körper wahrscheinlich nicht die angemessene Zuwendung. Irgendwann verschaffen sich die Organe mit verstärkten Signalen wieder Aufmerksamkeit. Diese werden dann zum Beispiel als Erschöpfung wahrnehmbar. Wer kennt das nicht?

Denken ist vielleicht als Management-Tätigkeit zu verstehen: Es vermittelt in beide Richtungen — think twice.

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