Aikido-Wege

besser miteinander auskommen

Suchen, um zu suchen

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Normalerweise sucht man ja, um zu finden ― die verlegte Brille oder den Schlüsselbund, das Handy, ein Buch oder diesen bestimmten Zettel. Klappt das nicht, wird man nervös und unzufrieden. Wer sucht schon um der Suche willen und bleibt dabei gut gelaunt? Nun, es braucht vielleicht nur einen besonderen Ort dafür, zum Beispiel die Aikido-Schule.

Ein bisschen esoterisch klingt das schon. Was meinte meine Lehrerin damit, als sie diesen Vorschlag machte? Vielleicht nicht nur mit einer bestimmten Zielvorstellung suchen? Nicht nur das Richtige finden wollen, also den passenden Schlüssel oder das richtige Buch. Sondern neugierig und mit Forscherblick aufeinander zugehen. Es tauchen die gleichen Fragen auf: Mach ich es richtig? Machst du es richtig? Wie fühlt es sich an? Was stimmt noch nicht? Warum läuft das gerade so gut? Manchmal weiß man gar nicht so genau, wonach man sucht. Ist es die perfekte Ausführung einer Technik? Das Gespür für die eigene Mitte und das Gleichgewicht? Oder die Verbindung mit der Partnerin, dem Partner und dem Lächeln dabei?

Wie steht es mit der Bereitschaft, das Entdeckte zunächst ohne Bewertung anzunehmen? Ohne mir vorzuwerfen, dass meine Füße gerade woanders hinwollen als mein Kopf. Nicht verzweifeln, wenn sich mein Oberkörper so komisch verdreht, um meinen Partner nicht aus den Augen zu verlieren. Und schon gar nicht zu kritisieren, wenn ich eine Unstimmigkeit beobachtet habe. Kommentieren um zu helfen, das schon. Unterstützen bei der Suche nach, ja wonach?

Ich habe mich oft gefragt, warum ich dem Aikido so lange treu geblieben bin. Offenbar hatte ich etwas gefunden, was ich nicht mehr missen wollte. Zu Anfang vielleicht nur einen Ort, um mit anderen Gymnastik zu machen, sich auszutoben und dabei den eigenen Körper kennenzulernen. Dann die wachsende Freude am regelmäßigen Kontakt mit Menschen, mit denen ich sonst nichts zu tun hatte. Das intensive und befriedigende Gefühl beim miteinander üben. Schließlich die Erkenntnis, dass ich auch im Alltag besser kommunizieren konnte. Die wichtigste Einsicht verdanke ich jedoch dem Kommentar einer Mitschülerin vor etwa 10 Jahren — sie hatte gerade erst wenige Monate zuvor mit Aikido begonnen: Üben, besser miteinander auszukommen.

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